Mile 101 Blog 7

Januar 7, 2008

Ich habe schon des oeffteren erwaehnt, dass ich zwar ‚politisch‘ der Manager des Dogdrop Mile 101 bin, in vieler Hinsicht allerdings Mike, Kevin, Eric und Brad weit mehr zu sagen haben. Warum ? Nun, ich bin einfach nicht dumm genug, gestandenen Maennern mit hervorragendem Wissen in ihrem Gebiet zu sagen was sie tuen sollen.
Es gibt bei uns keinen wirklichen Boss. Ich bin nur politisch der ‚Manager‘ weil – kein Wunder – es ausser mir keinen gibt, der sich auf die voellig unnoetigen und zeitraubenden Argumente und Diskussionen mit Race Managern, dem ‚Quest‘ oder dem jeweiligem Race Marshal einlassen will.
Ueber diese hoechst amuesante Arbeit werde ich aber spaeter berichten.
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Nun allerdings mal wieder zum Thema der Crew die Mile 101 zu dem macht, was es ist. Diesmal moechte ich ‚Mike‘ vorstellen:
Mike (56 Jahre alt) hat mich gebeten seinen Nachnamen nicht zu erwaehnen, aber die Geschichte die er mir vor einigen Tagen zum ersten Mal erzaehlte muss ohne Zweifel niedergeschrieben werden. Er ist auf diesem Crew Photo als weissbaertiger Mann als zweiter links oben zu erkennen. Der erste links oben ist uebrigens Kevin, ueber den ich schon geschrieben habe. Mit einem drei Tage altem Bart sieht er garnicht uebel aus.
Lukas, mein Sohn… und ich…. sitzen uebrigens links unten. Ausser unserem hervorragendem Koch des Jahres 2006, Rainer Fischer aus Deutschland (Rainer, man redet immer noch ueber den tollen Job, den du ueber 48 Stunden geleistet hast) waeren nur die in der unteren Reihe vom Eagle Summit vom Helikopter abgehohlten Musher erwaehnenswert.

Mike ist seit 2004 immer der erste Mann, der mit seinem Schaeferhund nach Mile 101 faehrt, die Huetten freischaufelt, Holz schlagen geht und noetige Reparaturen durchfuehrt.
Ich fand ihn eines spaeten Abends in der selben alten Kneipe im Goldstream Valley in der ich vom Race Marshal des 1996 Yukon Quest vor langer Zeit geheuert wurde.
Am Anfang hat er mitgeholfen, hatte aber im zweiten Jahr schon ein so gutes Auge fuer Teams, Regeln und Musher, so das er sich automatisch zum Doglot Manager machte. Ich begruesse es heutzutage, dass er mich immer noch fragt wie er die Rastplaetze auslegen soll: „Peter, meinst du das ist richtig so ?“  Ich gucke mir das ganze an als er in 2006 gedachte, alle Hunde in einem 20 Meter hohem Flusstal neben dem Dogdrop zu parken und meine: „Wenn der Wind dreht wird den Hunden das Stroh um die Ohren fliegen.“ Er zuckt mit den Schultern: „Wenn ich sie auf die Huegel verlege und Wind aufkommt, wird dies eh passieren. Hier haben sie eine Chance.“ Natuelich hatte er Recht. Nicht nur dies, auch kam der fuer viele beruehmte ‚Eagle Summit-Sturm‘ aus Norden, quer zum kleinem Flusstal in das er die Hunde legte.
Mike unterhaelt sich nicht gerne mit Leuten, und kommt nur zum Quest um sich der Hunde anzunehmen. Er kocht nicht in der Huette fuer Musher, kann aber gnadenlos bei -30 C draussen rumlaufen um nachzugucken ob jedes rastende Team wirklich ruht oder etwas braucht.
Da Leute in diesem Forum ueber die Mitglieder unseres Teams nachfragten, habe ich Mike interviewed.
Hier ist seine Geschichte:

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Mile 101 Blog 6

Januar 7, 2008

Leider hatten wir (hust…. eigendlich Kevin) mit dem Laser-Alarm am Anfang waehrend Stuermen grosse Probleme, da treibender Schnee den Laser unterbrach und wir staendig Alarme erhielten. Wir beschwerten uns in keinster Weise.
Es war Kevin, der um 3 Uhr morgens vor sich hinmurmelnd und etwas kauzig mit dem Motorschlitten schon in 2000 in der Dunkelheit verschwand um seine Erfindung zu ueberpruefen. Dann frohren immer wieder die Batterien ein.

Das jetzt von ihm verbesserte Doppelalarmsystem mit im Schnee vergrabenen (weniger Auskuehlung) Gel-Batterien bedarf  die Ausloesung des Erschuetterungsalarms und des Lasers um ein Signal an ein kleines, eingeloetetes Funkgeraet weiterzugeben.
Dieses Geraet sendet dann ein kurzes aber gut hoehrbares ‚Trillern‘ auf Kanal 9.
Da jeder von uns im Dogdrop ein Funkgeraet auf Kanal 9 mit sich traegt wissen wir sofort, dass ‚etwas‘ auf dem Trail ungefaehr 1 km vor dem Dogdrop den Doppel-Alarm ausloeste, – Laser und Erschuetterung – und koennen mit Zuversicht rausgehen um dann 5 Minuten spaeter Musher gebuehrend begruessen.
Wir sind unseres Wissens uebrigens der einzige Dogdrop/Checkpoint des Yukon Quest oder jeglichen anderen Rennens in Nordamerika, das solch ein Instrument erfolgreich einsetzt, was eigendlich eine Schande ist.
Kevin meint uebrigens, dass sich die Reichweite je nach Lage des Landes und der Batterie um 10 km verlaengern lassen kann und bei Tageslicht auch ein Photo zurueck gesendet werden kann.
……er arbeitet dran.
Allerdings gibt es das alte Web Kommittee des YQ nicht mehr und wir haben keine Moeglichkeit, Dinge auf der amerikanischen Site zu veroeffentlichen.
Dies ist allerdings eine andere Geschichte.

Ohne Zweifel ist Kevin einer der grossartigen Leute die Mile 101 zu dem gemacht haben was es heute ist.
Kevin,
irgendwann fliege ich auch noch mal mit einem Helikopter auf Denali…..  

Mile 101 Blog 5

Januar 7, 2008

Leider habe ich im Augenblick kaum Bilder sondern nur Film von den Jungs in 101. Werde aber versuchen diese Bilder nachzuhohlen.
Ich habe allerdings eins von Kevin Abnett gefunden, das viel ueber diesen Mann aussagt. Ueber die anderen Herren werde ich spaeter berichten.
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Ich habe des oeffteren ueber Kevin geschrieben.
‚Kevin the Hamster‘ arbeitete unter anderen an Raketenabschuessen fuer Satelitten, hat persoenlich  den Denali (Mt.McKinley) bestiegen und war eine der fuehrenden Elektroniker hinter der ersten Wetterstation auf Mt.McKinley.
Kevin’s Webseite:
http://www.polartronix.com/about.htm  ist so bescheiden wie er selbst. Wenn man allerdings ‚Kevin Abnett‘ in Google eingeben wuerde, aendert sich das Bild schnell.
Es bedurfte 4 Jahre bevor ich erfuhr, dass er Denali (Mt McKinley) bestieg.
„DU bist da raufgeklettert ?“, rief ich nach seiner simplen Aussage als wir in 2004 eines Nachts sprachen waehrend wir auf Musher warteten.
„Ja, ich musste das ja mal machen. Hatte ich mir fest vorgenommen.“
Ich erinnere mich immer noch daran wie ich ihn anstarrte: „DU bist auf dem Gipfel von Denali gewesen…?“
Seine Antwort war eher lakonisch:“Eigendlich zwei Mal. Einmal bin ich hochgeklettert und einmal sind wir mit Helikoptern gelandet um die Wetterstation dort oben aufzubauen.“ Ohne Zoegern fuegte er hinzu: „…. und deshalb denke ich auch, dass wir hier fuer 101 andere Batterien brauchen. Das habe ich naehmlich da oben ausgetestet, und mit den Winden in Mile 101 brauchen wir…..“ – „Kevin !“, unterbrach ich ihn.Ohne Zweifel war er schon wieder an einer seiner Erfindungen am arbeiten ohne sich im geringsten fuer die von ihm geschaffte Besteigung des hoechsten Berges Nordamerikas zu interessieren:
„Du willst wirklich sagen, dass du Denali bestiegen hast ?“
„Ja, war recht anstrengend. Bin froh, dass ich das Rauchen 6 Monate vorher aufgegeben hatte. Also leicht war das nicht, … das kann ich dir sagen. Aber Mal was ganz anders, jetzt da wir ueber Mt McKinley und die Temperaturen dort oben reden denke ich, dass ich die richtigen Batterien fuer unseren Checkpoint gefunden habe…..“
Und erst letztes Jahr fand ich heraus, dass er sich mit drei elektronischen Patenten zur Ruhe gesetzt hatte.
Er ist der gebohrene Daniel Duesentrieb. (Erinnert sich noch jemand an die alten Micky-Maus Buecher ?)
Hiermit also eine Erklaerung zum Photo und warum ich es hier einfuege:
Seit langer Zeit ist es unser Ehrgeiz, jeden Musher draussen in Mile 101 am Eingang des Dogdrops zu emfangen. Bei hohen Winden und Temperaturen von bis zu -40C wird es allerdings nachts ziemlich langweilig und sehr kalt wenn man fuer Stunden in der Dunkelheit auf einen Musher wartet.
Daraufhin erfand Kevin vor Jahren einen ‚Musher-Detektor‘.
Auf diesem Photo sitzt Kevin in 2007 in Mile 101 vor dem von ihm erfundenen ‚Musherdetektor‘ , den er seit Jahren immer wieder verbessert hat. Ich gebe gerne zu, dass es bessere Photos von ihm gibt, aber wer mit den Augen blinkt sieht eben bei 1/500 sek immer ein bischen schlaefrig aus:

Es wuerde zu lange dauern, die Entwicklung des Detektoren ueber die Jahre zu erklaeren, aber es ist nun – da er wirklich unter nordischen Konditionen funktoniert – eine grosse Hilfe fuer uns.
Ein Teil des Detektoren, den er im Prinzip einem Autoeinbruchalarm nachbaute, wird im Schnee auf dem Trail vergraben. Die Erschuetterung loest den von Kevin so sensitiv wie moeglich umgebauten Alarm aus. Der vergrabene Teil ist in einem kleinen Kaestchen auf dem Photo zu sehen.
Vor ihm liegen die beiden gelben Laser-Detektoren mit denen er seit Jahren in 101 arbeitete. Der fast unsichtbare Laserstrahl geht ueber den Trail und wird reflektiert. Falls der Strahl unterbrochen wird, loest dies ebenfalls einen Alarm aus.
(Kevin the Hamster -Teil 1)

Mile 101 Blog 4

Januar 7, 2008

Erst einmal vielen lieben Dank fuer die Antworten auf’s Blog und wie immer an Ragnar fuer’s Forum.
Die offizielle deutsche Seite des Rennens (dies fuer ‚amarok‘) heist uebrigens
http://www.yukonquest.info  
Die englischsprachige Site des Rennens laesst sich unter
http://www.yukonquest.com erreichen.
Das Rennen beginnt um 21 Uhr abends deutscher Zeit am 9 Februar.

An Nordmann:
An eine Aenderung der Rennstrecke glaube ich fast nicht mehr. Zumindest rollte ein mir bekannter ‚Offizieller‘ vor 14 Tagen nur die Augen (gegen Himmel guckend) ueber’s Thema und als ich hoeflich nachfragte ob Mile 101 bestehen bleiben wird, winkte er mit einem ‚also darueber wuerde ich mir erst Recht keine Gedanken machen‘ ab.
Dies ist auch der Grund, wieso ich dieses Blog begann und die Jungs zusammenrufe.
Es steht auf jeden Fall fest, dass letztes Jahr nach dem Rennen keiner nach einem neuem Trail geguckt hat und wir dieses Jahr immer noch nicht genug Schnee haben um einen neuen Trail zu finden. Davon abgesehen wurden die Regeln fuer’s 2008 YQ im August veroeffentlicht und lassen sich recht schlecht aendern. Da sind wir auf jeden Fall drin und muessen Musher im Gegensatz zu anderen Dogdrops an und abmelden.
Zwar habe ich dem Yukon Quest Buero in Whitehorse angeboten, wieder einen Teil der Videos und Berichte zu uebernehmen aber bisher keine Antwort erhalten und auch ueber’s Jahr nicht mehr viel von ihnen gehoehrt seit ich als Leiter des Webseitenkommittees zuruecktrat.
Allerdings hat Carsten Thies mir angeboten mit seinem Photographenteam nach Dawson zu fahren.
Mal sehen, was passiert.
Im Prinzip wuerde ich wahrscheinlich weit mehr Spass haben einfach nur ein Blog und Filmmaterial zu machen als den Stress der alaskanischen Webseite auf meinen Schultern zu spueren.

An Renate:
Falls es anderen Leuten in diesem Blog nicht zu langweilig wird kann ich die Jungs gerne einzeln und mit Photos vorstellen. Der Winter ist lang und wir haben nur 4 Stunden Sonnenlicht (oder bei Bewoelkung 3 1/2 Stunden Daemmerung) im Augenblick.
Zeit habe ich also genug und die Leute sind sicherlich interessant genug.
Also dann mal weiter…..

Mile 101 Blog II

Januar 3, 2008

Obwohl das Quest seit dem Eagle Summit Drama in 2006 sehr gluecklich ueber unser Tech-Team und unserer Verbindung zur Aussenwelt ist musste ich zu meinem eigenen Leidwesen feststellen, dass Brad in 2007 fuer die von ihm gestellte Satellitenschuessel, Benzin und Internetverbindungen ueber seine persoenlichen Konten und fuer seine Arbeit immer noch nicht vom YQ bezahlt wurde.
„Im Prinzip ist es eine Schande, aber ich rege mich nicht drueber auf.“
Unser Gespraech ging in eine eher ungewuenschte Richtung: „Seit Jahren ist das Yukon Quest damit beschaeftigt sich ueber Mile 101 aufzuregen. Vielleicht sollten wir Mile 101 einfach mal so laufen lassen wie es anscheindend gewuenscht wird:
Kein Internet, keine Mahlzeiten fuer Musher oder Handler, keine Lager zum schlafen.“
Ja, vielleicht sollte wir dies tuen um dem Rennen zu zeigen was wir denken…., aber wir sind nicht fuer das Rennen da, sondern fuer die Musher.
Natuerlich wird Brad wieder eine Satellitenschuessel aufbauen und das Internettelephon installieren, das in 2006 so viel Hilfe geleistet hat.
Es geht uns ja wie gesagt nicht um’s Rennen sondern um die Musher.
Brad kommt zurueck…..
Danke, Brad !!
Eric Cosmutto….
ein 9000 $ Motorschlitten und 20 Jahre Winterwildniserfahrung auf Flusseis und Bergen.
Ihm galt mein naechster Anruf.
Als Manager des 101 Dogdrops hielt ich es schon vor Jahren fuer wichtig zumindest einen erfahrenen Motorschlittenfahrer im Team zu haben. Man darf Eagle Summit nicht unterschaetzen aber es war seit langen Jahren klar, dass irgendjemand genau dies tuen wird.
Monte Barnett war unser bester Motorschlittenfahrer von 1998 bis 2004. Dann allerdings wurde er stolzer Vater von Zwillingen und musste etwas mehr Geld verdienen um seine beiden Soehne (inzwischen uebrigens drei) gross zu ziehen.
Ich setzte eine Anzeige ins Internet um einen neuen – aber erfahrenen – Motorschlittenfahrer in unser Team zu bringen.
Eric Cosmutto war ohne Zweifel die beste Wahl.
Sein militaerischer Hintergrund (Survival) und sein Lachen brachte jeden alten 101 Crew Member dazu ihn sofort zu moegen.
Ich zeigte damals im Dogdrop auf Eagle Summit und meinte:
„Tue den Mushern einen Gefallen, fahr da hoch und markiere den Trail.“ – „Kein Problem“, … und dann natuerlich eben Eric’s typisches Grinsen mit den Gesichtszuegen eines Mannes dem der 45. Geburtstag nicht quer im Magen liegt.
Angst hatte ich um den Mann nur einmal.
Die nie erzaehlte YQ Geschichte des 2006 Dramas auf Eagle Summit begann eigendlich damit, dass selbst ich nicht mehr erlaubt war zu filmen. Angst breitete sich aus und einem Kameramann der damals noch filmte, wurde von den ‚Offiziellen‘ einfach der Film weg genommen. Danach wurde er rausgeschmissen.
Hans Gatt’s 2006 Kommentar nach der Ueberquerung von Eagle Summit „Ich wuerde mich nicht wundern, wenn heute nacht dort oben jemand stirbt“ war absolut unnoetig, fuehrte aber zu weit mehr als er sich damals dachte.
5 Musher und ueber 50 Hunde waren am kommenden Tag auf Eagle Summit verschollen.

Unser Motorschlittenfahrer Eric ruestete sich mit einem kleinen Rucksack, Wasser und einem Funkgeraet aus: „Ich finde die schon….“
Eine Stunde spaeter hoehrten wir ihn durch Rauschen ueber Funk:
“ Ich habe zwei Teams gefunden.  Beide Teams sind ok. Ich bin weiter zum Gipfel gefahren. Sichtweite ist 10 Meter. Schaetze Windgeschwindigkeit auf 60 mi/hr. (90 km/h) Ich habe mich eingegraben und werde auf besseres Wetter warten. Irgendwo hier in der Gegend bibt es Kliffe… habe keine Lust ueber irgendeine Kante zu fahren. Schalte das  Funkgeraet aus um Batterie zu sparen. Ist das angekommen….?“
„Haben wir verstanden, Eric.“ – „Verdammt kalt hier oben, werde das Funkgeraet jetzt ausschalten. Eric… out“
Ein recht unterkuehlter Eric kam 6 Stunden spaeter ins Camp zurueck nachdem der Sturm nachliess und gab dem Piloten des US Airforce Blackhawk Helikopters GPS-Daten um Musher vom Berg zu evakuieren.
Eric ist ein wichtiger Teil unseres Teams, aber die YQ Trailbreakers haben dies auch herausgefunden. Das YQ hat ihn geheuert um den gesamten Trail zu fahren.
Ich bin froh, dass er trotzdem nach 101 rauskommt um den Trail bis zum Gipfel besser abzustecken und uns einen Trailreport zu geben.
(Ende Teil 2)